Welchen Bezug bzw. welche Verbindung hast du zur schwedischen Musik?

Es gab eine Zeit zu Beginn des Jahrtausends, da kam es einem so vor, als erschiene jede Woche eine neue schwedische Band auf der Bildfläche, für die es sein Herz zu verschenken lohnte. Indie-Pop und Singer/Songwriter lauteten die musikalischen Stichworte, kristallklare Seen und einsame Holzhäuser die entsprechenden Sehnsuchtsorte. Passenderweise verbrachte ich jene Jahre eingerichtet im Best Of Ikea und jobbte neben der Uni in verschiedenen gut sortierten Plattenläden. An Anschauungs- und vor allem Anhörungsmaterial bestand daher kein Mangel. Selbst die späte Erkenntnis, dass ja auch „The Final Countdown“s Europe aus Schweden stammen, konnte mir da mein neues Lieblingsmusikland nicht mehr madig machen.

Welche Künstler & Lieder, die du womöglich mit Erinnerungen & Gefühlen verbindest, haben es dir besonders angetan? 

1. Kristofer Åström & Hidden Truck – One More Drink

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Die Entdeckung verdanke ich einem alten Schulfreund, der mich an einem frostigen Novembertag mit nach Köln ins Gebäude 9 nahm. Im Übrigen auch das eine Premiere, und sowohl Künstler, als auch Venue begleiten mich seither. Åström spielte damals mit der wohl besten Besetzung der oft umformierten Hidden Truck und spendierte als Teil der Zugabe mit „One More Drink“ ein schwermütiges Stück universeller Melancholie. Die Freunde haben im Song Besseres zu tun, also zieht der Protagonist einsam durch die Kneipen. Immer im Wissen, dass der letzte Drink ganz sicher der letzte ist und es dann doch nie bleibt. Wer sich noch nie so gefühlt hat, möge jetzt aufzeigen.

2. Suburban Kids With Biblical Names – Rent A Wreck

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Eine Hymne an das Touren durch kleine Kneipen und Jugendclubs. Der erste Song, den ich von Johan Hedbergs und Peter Gunnarsons Band hörte, machte mich zum glühenden Anhänger. DIY-Spirit umarmt Twee-Pop und tanzt ausgelassen mit ihm durch die Minidisco. Hier wird auf Fußböden geschlafen, die Musik des Gastgebers ertragen und als Dank dafür werden ihm die Cornflakes weggegessen. „I wanna turn all their dancefloors into a burning inferno of ba ba ba“, lautet der Schlachtruf.

3. Holmes – Storm

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Holmes sind eine dieser Bands, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten und ewig in der Geheimtipp-Ecke darben. „Storm“ ist die Essenz ihres ausufernden Alternative Country, das dazugehörige Album „Wolves“ war weit oben in meinen persönlichen Jahrescharts 2008. Zum ersten Mal live sah ich die Band im selben Jahr im Kölner MTC, einem schmucklosen Kellerclub, vor knapp 20 zahlenden Gästen. Beim Gespräch am Merch-Tisch nach dem Konzert entstand schnell die Idee, bei der nächsten Tour für ein netteres Gastspiel im Rheinland zu sorgen und selbst eine Show zu veranstalten. Im folgenden Frühjahr holte ich daraufhin Gitarrist Johan Björklund und seine sympathische Band nach Bonn ins Kult41.

4. Yast – Stupid

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Meine aktuelle schwedische Lieblingsband entdeckte ich durch ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Shoegaze und Indie-Pop, der direkt eine Dekade zurück versetzt. Das Slackertum aus Malmö mündet in „Stupid“ in Perfektion, einem süßen Bonbon voller Melodiesucht und psychedelischen Gitarren. Zusammen mit einem Kumpel sah ich die Band beim Spot Festival 2013 und wenige Biere und eine kurze Unterhaltung später war der Plan gereift, Yast nach Köln zu holen. Das taten wir dann auch. Zweimal.

5. Jens Lekman – Friday Night At The Drive-In Bingo

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Vermutlich der schwedische Song, den ich am häufigsten gehört habe. ABBA im Radio zählt nicht! Jens Lekman ist einer der großen Geschichtenerzähler unserer Zeit und entwirft in „Friday Night At The Drive-In Bingo“ eine romantische Fluchtmöglichkeit: dieses kleine Dorf im Südwesten Schwedens wartet mit Gemütlichkeit, Apple Cider und Naturkulisse, aber auch engstirnigen Einwohnern. „Why do the people in the country want to look like the people in the city/ When the people in the city aren’t the slightest pretty?“, fragt Lekman schlau. Dennoch, für ihn ist klar, dass die Zukunft darin liegt, nichts weiter zu tun, als die Hasen auf dem eigenen Bauernhof bei der Paarung zu beobachten. „The smell of 1952 is waiting for you“. Ein wunderbarer Tagtraum.

Basti Kullenberg bearb

Wer ist Bastian Küllenberg?

Bastian Küllenberg ist Onlineredakteur & Social Media Manager für das Magazin INTROZudem findet man ihn regelmäßig hinter den Plattenspielern in verschiedenen Bars im Rheinland.

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